Andacht zum Monatsspruch Juni:

Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden.

2. Mose 15,2

  Meine Stärke, mein Lied, mein Retter. Wer redet so und bei welcher Gelegenheit? Mose stimmt ein Danklied an, in das die Israeliten einstimmen, nachdem Gott sie durch das Schilfmeer geführt hatte. Was ging voraus? Die Israeliten lebten in der Sklaverei. Pharao hatte sie systematisch unterdrückt und wollte dieses Volk auslöschen. Doch Gott sorgte für ihre Befreiung. Endlich konnten sie den Ort der Qual verlassen. Kaum waren sie aus Ägypten ausgezogen, da jagte ihnen Pharao mit seinem Heer nach und versuchte, sie zu vernichten. Israel hatte das Schilfmeer vor und den Pharao hinter sich, sie saßen in der Falle. Sie konnten das Meer trockenen Fußes durchqueren. Als dann die Ägypter sie verfolgen wollten, liefen die Wasser rasch wieder auf und brachten das Heer um. Israel war frei, endlich frei! Was hinter ihnen lag, gehörte der Vergangenheit an, die Zukunft lag vor ihnen. Wie ging es weiter? Sie hielten inne, zogen nicht unmittelbar weiter, sondern besannen sich darauf, wem sie diese Rettung zu verdanken hatten. Dieses Nachdenken und Erinnern brachte sie zur Dankbarkeit, die sich im Singen ausdrückte. Unsere Lebensläufe sind sehr unterschiedlich. Ich beobachte, wie viele meiner Mitmenschen schon Situationen von Unfreiheit und Unterdrückung erlebt haben und sagten: ich wurde Opfer von Mobbing, ich musste fliehen, ich erlebte mich als fremdbestimmt und konnte / kann diese Fesseln nicht so einfach abschütteln. Haben Sie schon Befreiung erlebt? Manchmal bleiben wir in dem Schweren hängen. Wenn wir uns aber erinnern, was uns an Gutem jeden Tag geschenkt wird, kann das zu einer neuen Dankbarkeit führen und wir können in den Lobgesang des Mose mit einstimmen. Das möge uns im neuen Monat Juni und darüber hinaus geschenkt werden.

Johann – Albrecht Link